Samstag, 12. Dezember 2009

...mixed, totally mixed

Auf diesen Moment habe ich lange gewartet: Ich sitze im Zug nach Utrecht und von da aus geht es dann im ICE in Richtung Köln. Vanessa kommt mich später in Siegburg abholen, morgen steht Stockholm auf dem Programm.
Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich meinen letzten Eintrag im Blog verfasst haben. Das einzige, das mir noch in Erinnerung schwebt ist, dass es ziemlich lange her ist. In der Zwischenzeit ist schon wieder so viel passiert, dass es mir wahrscheinlich kaum möglich ist, alles zu streifen. Beginnen möchte ich mit dem, womit mein letzter akademischer Tag in Rotterdam des Jahres 2009 heute geendet hat. Das Trimester flog mal wieder. Wir haben unglaublich interessante Dinge während der letzten 12 Wochen geschafft, aber auch mal wieder super viel unnützen und überflüssigen Kram lernen müssen. Die Klausuren sind geschafft, die letzte habe ich vor gut 1 ½ Stunden abgegeben. Ruhe, endlich. Im Grunde genommen bin ich soweit zufrieden mit diesem Trimester, wenn ich auch gleichzeitig froh bin, dass es rum ist. Einige Dinge möchte ich doch noch kurz hier herausstellen.
Wohl eine der besten Entscheidungen der letzten Zeit war, mich für das Mentor-Programm zu bewerben. Wir hatten Ende August eine einwöchige interessante Trainingssession, die mir allerdings weniger für meine Tätigkeit als Mentor ansich, dafür viel mehr für meine allgemeine Sozialkompetenz und Fähigkeiten, mit einer Gruppe umzugehen und vor einer dieser frei zu sprechen. Das Handwerk für den Mentor musste ich nicht mehr erlernen, ich bin einfach meinem Stil treu geblieben – und das hat mich nicht im Stich gelassen. Mitgenommen habe ich dafür noch viel mehr. Nette Menschen kennen gelernt, viele neue Erfahrungen mitgenommen und vor allem gemerkt, wie viel wichtiger Soziales und Menschenkenntnis in jederlei Lebenslage ist. Definitiv wird es überall unterbewertet.
Das andere wirklich Wissenswerte habe ich bei einem Besuch des niederländischen Bildungsministeriums erfahren, welches wir für ein Uniprojekt auf Organisationstheorie untersuchten. Dieses kleine Holland, das von uns „Überdeutschen“ immer so gerne belächelt wird, ist uns in einigen Dingen mehr als 100 Meilen voraus – das war nichts neues. Dass Bildung in den Niederlanden essentiell und hoch gefördert wird, auch nicht. Aber, dass dieses kleine Land, das bevölkerungsmäßig gerade mal weniger als ein Viertel von Deutschland ist, aber trotzdem das vierfache (!!) in die Bildung investiert, als der große Nachbar, ist kaum vorstellbar. Sage und schreibe 40 Milliarden Euro schießen die Tulpentreter jedes Jahr in die Bildung. Beispiellos.
Das bringt mich zu einem anderen Punkt, der mich sehr bewegt hat und mich noch stets nicht wirklich ruhig schlafen lässt. Schwarz-Gelb ist zurück. Merkel Kanzler, naja, gut, sie wird das tun, was sie bisher auch getan hat: Nichts neben nett lächeln. Aber dann kommt es: Vize-Kanzler und vor allem Außenminister ist dann trotz aller Befürchtungen das Pickelgesicht aus Königswinter geworden. Wie mein Blog-Kollege Biesi es nannte: „Gaypride Guido ist endlich da, wo er hinwollte.“ Na bravo. Erste Handlung: Unsere große Industrienation in der internationalen Presse so was von blamieren. Junge, wenn du kein Englisch kannst, dann lern es oder werde bitte kein Außenminister. Der mittlerweile 90-jährige Altkanzler Helmut Schmidt hält selbst im hohen Alter noch Vorträge vor dem Harvard-Club in New York (IN ENGLISCH) und diskutiert auch in dieser Fremdsprache. Mir kann doch niemand erzählen, dass in der heutigen Zeit, in der man grundsätzlich nicht genug auf dem Curriculum Vitae stehen haben kann (Sprachen inbegriffen), dieser Kerl, der auch noch einen akademischen Abschluss erlangte nicht in der Lage ist, vernünftiges Englisch zu sprechen? Selbst wenn nicht, es würde ja niemanden kratzen, aber werden Sie doch dann bitte kein Außenminister Herr Westerwelle. Übrigens, an unserer Bildungssituation in Deutschland ändert sich immer noch nichts. Lächel weiter, Angela.
Also ging es fleißig ans Lernen und Studieren. Nebenbei hat sich auch noch eine andere zufällige Begegnung meines Vaters mit einem alten Bekannten im Sommerurlaub zu einer wahren Glücksaktion herausgestellt. So bin ich mittlerweile nach einem leckeren Scampi-Essen in Zeeland und zwei Treffen im Rotterdamer Büro Praktikant bei einem Transportunternehmen. Das Unternehmen ist in der Logistik, genau gesagt im Schienentransport in Europa (welche Zufälle,…) tätig. Die Arbeit macht unglaublich viel Spaß, besonders der Dialog zwischen Holland und Deutschland birgt seine Tücken und Herausforderungen, aber auch viel Freude.
Ansonsten mag ich mich gar nicht beschweren. Das Leben ist stressig aber schön wie immer und so freue ich mich jetzt auf ein paar gemütliche Tage in ganz Westeuropa, mit Freundin, Familie und guten Freunden. Morgen geht’s nach Stockholm, am Dienstag zunächst nach Düren und im Anschluss wieder nach Rotterdam. Am Mittwoch empfange ich einen meiner besten Freunde aus den USA und drei seiner Kommilitonen in Schiphol. Es wird eine schöne Zeit.

1 Kommentar:

biesi hat gesagt…

Meine Rede Herr Zimmermann, sehr schö, sehr schön