Mittwoch, 15. Juli 2009

Etappe 2: Saarbrücken - Straßburg - Zürich

Gegen acht Uhr mache ich mich schon nach einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück auf den Weg. Zum Glück hat es sich in Saarbrücken über Nacht ausgeregnet und so bleibt der erste Teil der Fahrt ziemlich trocken. Die Straßen sind zwar nass; finde ich aber im Endeffekt ganz gut, denn das bremst. Man hat schon das Gefühl, die Maschine mittlerweile besser zu kennen, sodass man denkt, man könnte etwas mehr wagen. Nene, nur Hööösch.

Ich fahre natürlich mal wieder irgendwie anders, als mir das gute alte GoogleMaps vorgeschlagen hat, sodass ich irgendwo zwar in der richtigen Richtung aber auf einer anderen Straße in Frankreich lande. Gibt jetzt Schlimmeres, es ist ja alles gut ausgeschildert und die grobe Richtung ist ja auch die richtige.
Kurz vor Hagenue fängt es natürlich dann an zu regnen. Ich mache flux eine Pause und stärke mich eine Runde. Der Regen reißt bis Straßburg nicht ab. Was will man machen. Gott sei Dank kein starker Regen sondern mehr Geniesel. Aber aufm Moped kann auch das ziemlich fies werden. In Straßburg dann selbst der erste Schock. Den Weg zum europäischen Parlament haben dann mal nett die Milchbauern mit 150 Traktoren blockiert, um gegen die Dumping-Preise auf dem Milchmarkt zu protestieren.
Super. Dann fahr mal als Jungstudent, der auch gute fünf Jahre kein Wort Französich mehr gesprochen hat da durch die City. Klappt auch irgendwie. Will dann zu den europäischen Gebäuden; blockiert, Polizist. "Parlez vous d'Englais?" (mit Deutsch wollte ich es schon kaum versuchen...) "No!" Dankeschön. Öhhhm,...jaaaaa,..."seulement une photo touristice" - "Oui,..." Puh, alles klar. Die Jungs vom Sicherheitsdienst gucken alle mal ein bisschen blöd, als ich mich mitten auf der Kreuzung querstelle, um ein Bild zu machen. Aber es hat gefunzt.
Dann nix wie weg aus dem Land der Froschfresser. Rüber Richtung Offenburg und dann ab in den Schwarzwald, Richtung Schwarzwaldhochstraße. Im Tal natürlich auch wieder super netter Regen. Vor allem aber nerven mich die LKW. Ich sehe es auch wieder unter dem Aspekt des Bremsens. Denn auch schon das Tal verleitet zum netten Kurvenfahren. Irgendwann bin ich so genervt, dass ich mir ein Baguette und ein Päckchen Kräuterquark kaufe und erstmal Pause mache. Komme schnell mit den Menschen ausm Schwabenländle ins Gespräch. Sehr nett.
Dann aber los. Der Mensch hatte was von Serpentinen erzählt. Naja, da denkste als Rheinländer vielleicht an Neustadt-St. Katharinen oder Bruchhausen. Pahhhh. 800 Meter geht's da hoch; aber vom Feinsten. Wunderbare Strecke, ich bin vollkommen begeistert. Auch wenn's anstrengend ist. Oben angekommen entschädigt der Ausblick über das Tal und die angrenzenden Berge. Wirkich fantastisch. Auch wieder ein Kapitel zu "fabelhafte Heimat". Oben dann ein Schild "Schwarzwaldhochstraße" - aber Richtung Baden Baden. Kommt mir irgendwie Spanisch vor. Wie durch ein Wunder stehen aber am Rand vier niederländische Jungs mit ihren Maschinen. Klar, als eingetragener Rotterdamer anjequatscht und alle Infos bekommen. Goede Reis!
Dann gings los. Papa, das war der Tipp des Jahrhunderts. Berg, Tal, Kuckucksuhren, Bäume, Felder, Flüsse, Bäche, viele Menschen, Motorradfahrer. Wow. So zieht sich mein Weg einmal quer durch den Schwarzwald. Titisee, Schluchsee und dann in Koblenz rüber in die Schweiz. Auch wunderschön. Die Schweizer haben wirklich ein nettes Fleckchen auf Erden.
Stadtgrenze Zürich. Die Junge Dame in Deutschland an der letzten Tankstelle hatte mir den Tipp gegeben, dass man im Grunde genommen gar keine Autobahnplakette in der Schweiz bräuchte; es sei alles auch gut per Landstraße zu erreichen. Haken an der Sache war nur, dass ich so auch nicht auf den Züricher Ring kam und einmal quer durch die ganze Stadt gurken musste. 17:00 Uhr - Berufsverkehr. Naja, es wär kein Zimmermann, wenn er auch nicht diese Herausforderung annehmen würde. Ein Student hatte mir echt gut den Weg erklärt und dann hatte ich mich das erste Mal kurz vor dem Hauptbahnhof verfranzt. Dort kannte ich mich doch ein wenig aus - dachte ich. Also, Taxistand, erster Taxifahre. Da musscht nur,....blaaaaaa, und dann Tram 7 folgen, gansch einfach. Danke.
Erste Runde um den Hauptbahnhof. Zweite Runde um den Hauptbahnhof. Dritte Runde. Dann war ich's leid. Taxifahrer Nummer zwei. Saubere, eindeutige Erklärung. Gefahren, einmal an der Tanke versichert und endlich da.... Nach 1 1/2 Stunden. Schön ist nur, dass strahlend blauer Himmel ist. Haken: Ich komme triefend in der Herberge an. Ich möchte nicht wissen, was die sich hier alle gedacht haben.
Dann ab in die City. Schlendere zunächst einfach durch die bezaubernden Gassen der Metropole, begutachte die Menschen und werde wohl von allen Zürcher Einwohnern mit einer gewissen Skepsis ebenso betrachtet. Hier läuft wirklich das Geld auf zwei Beinen Säckeweise durch die Straßen. Wahnsinn. Lahm sind sie auch alle. Ich frage mich echt, wie die es alle schaffen, über die ultrakurzen Ampelphasen, bei denen ich schon meine Schwierigkeiten habe, zu kommen.
Endlich was zu trinken, was zu essen, ein coop und der Abend ist gerettet. Ich gehe lange durch die Stadt, fotografiere fleißig (ich lade alle Bilder am Samstag in mein picasa Album) und lasse mich schließlich am Zürichsee nieder und schaue den Böötchen und dem sich nähernden Gewitter zu. Der Wind zerzaust meine Haare und ich fühle mich einfach nur wohl. Ich blicke weit hinaus, auf all diese Lichter am Hang, zurück auf diese wahnsinnige Metropole, dieses Land, denke an die Reise hierhin zurück. 720 Kilometer sind es jetzt schon. Ab in die Herberge, noch kurz gesurft und dann tot ins Bett.
Heute morgen dann Dusche, Frühstück und ausgecheckt. Jetzt hat es zum Glück aufgehört zu regnen. Gegen halb elf mache ich mich dann auf den Weg zum Bodensee. Petrus, lass es bitte trocken.

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