
Rotz am Back, scheiß am Bein, oh wie ist das Leben fein :) Endlich ist es geschafft, die ganze Arbeit der letzten Wochen scheint sich doch soweit gelohnt zu haben. Der Druck fällt ab, Loch, platt. Gestern noch nach zwei letzten krampfhaften Tagen des Lernens die Statistik Klausur geschrieben, lief im Großen und ganzen relativ erfreulich. Man soll jedoch den Tag nicht vor dem Abend loben,.. Also, schön rustig adem haalen ! ;)Nach der Klausur allgemeine Erleichteung, das Licht geht aus, runter von der Bühne. Ein Gefühl der Zufriedenheit und des Glückes. Im Anschluss mit alle Mann zu Marloes und schonmal leicht vorglühen. Ich hatte doch tatsächlich 3 Supermärkte abgeklappert und habe keinen richtigen Sekt ergattert - und leider war bei jedem natürlich auch keine Tapperij am Start, sodass wir im Endeffekt auf leckeren aber wirkungslosen Cidre zurückgreifen mussten.
Mit der ganzen Truppe zum Mexikaner im Oude Haven, herrlich amüsant. Susanne war auch noch dazugekommen, Tamara und Chantal waren noch zum Studytrip Essen - sollten erst zum Partymachen wieder zu uns stoßen.
Beim Mexikaner wieder unglaublich herrliche Stunden verbracht. Für mich vollkommene Glücksmomente. Zum Einen genoß ich es in vollen Zügen als einziger Deutscher mit fünf Holländern einen herrlichen Abend zu genießen, verdammt gut zu Essen und "gezellig" bei nem Cocktail über Gott und die Welt zu reden und endlich nach einiger Zeit auch nicht mehr ständig auf die Uhr schauen zu müssen. Zum anderen weckte gerade der Mexikaner wunderschöne Erinnerungen in mir. So genoß ich doch vor fast genau drei Jahren bei meinem ersten Marietta Trip das Essen schon sehr; im Dezember war ich mit Scott beim Mexikaner, als wir Lanie das erste Mal trafen. Musste ihm sofort eine SMS schicken und ihm berichten - er fühlte anscheinend das Gleiche. Unbeschreiblich schön,...

Dann nachdem die Mädels vom Studytrip eingekehrt waren gings dann auf in die Stadt um eine geeignete Partylocation ausfindig zu machen. Zunächste landeten wir in einer Kneipe, die vollkommen überteuert war und zugleich auch nicht wirklich Tanzpotential für die Nacht darstellte. Also nebenan in die Skihut... Zunächst war ich ein wenig skeptisch, das Etablissement erinnerte mich leicht an die Hönniger Schmiedgasse, aber, das soll ja nichts schlimmes heißen,.. Es war auch nicht schlimm, sondern super geil, um genau zu sein. Susanne hatte sich leider schon vorher mit den Worten "ich bin weg, wenn ich da jetzt noch mitkomme, dann komm ich nimmer heim, ich muss morgen früh arbeiten" verabschieded, also mit 7 Mann in die Buud.
Sehr geil, wir tanzten uns wirklich den ganzen Stress und die die Arbeit der letzten Wochen von der Seele. Es tat verdammt gut.

Es war für mich auch mal wieder erstaunlich zu sehen, welchen Nationalstolz und welche Pflege der eigene Sprache die Niederländer doch haben und betreiben. Ich fühlte mich, muss ich ehrlich zugeben schon ein wenig seltsam, als ich jede Menge holländischer Partylieder mitsingen konnte und kurz danach Matthias Reim lief. Dazu kommt noch, dass der DJ und die "Thekentänzer" die ganze Zeit herrliche Witze über Deutsche rissen und ich einfach nur - ich glaube fast zur Verwunderung meiner holländischer Mitstudenten - herrlich darüber Lachen und mitmachen konnte. Man sieht doch wieder, dass wirklich kein Krawall wegen irgendetwas entstehen muss, wenn man sich nur der Kultur ein wenig anpasst und sich in die Lage des anderen versetzt. Wir Deutschen sind schließlich auch nicht viel besser mit unseren scherzhaften Anti-Oranje Kampagnen,.. Nur mit dem Unterschied, dass wir schlecht darüber selbst lachen können, wenn man uns verarscht. Aber warum ? Ich finde da nichts verwerfliches dran,.. Gestern abend hat wieder voll und ganz bewiesen, dass man auch im Suff und im Partyfieber den größten Spaß miteinander haben kann, ohne dass irgendetwas im Krawall ausatet. Und das mitten in Rortterdam,....

Zu denken gab mir das noch mehr, als ich mich an den Weg vom Mexikaner in die Stadt erinnerte und wir die große Baustelle rund um das Laurentius-Quartier passierten. Marloes laß nur den Slogan "Hier bongt het nieuwe haart van Rotterdam" (hier schlägt das neue Herz von Rotterdam) vor und meinte,.. "hmmm, schon klar, aber da sind ja überall nur alte Fotos drauf." - Meine Antwort, "tja,.. das soll uns noch einmal eindeutig vor Augen halten, was der letzte große Besuch der Deutschen vor 45 hinterlassen hat"... Es ist schon traurig, regelmäßig mit der Schande der Vergangenheit so konfrontiert zu werden; dies liegt allerdings auch sehr daran, dass ich mich selber häufig von diesen Zeichnungen (die wirklich nur objektiv und zu Dokumentationszwecken angebracht sind) angesprochen fühle. Im Grunde genommen ist auch so eine Partynacht in Rotterdam eine Art "Völkerverständigung", denn wir alle tragen trotz allem, trotz, dass es nicht unsere Schuld und auch nicht die Taten unserer Generation waren, die Verantwortung und den Auftrag in uns, es nie wieder so weit kommen zu lassen. Leider wird dies von nicht allzu vielen Altersgenossen genau so aufgenommen,..

Schade eigentlich, denn Holländer sind wirklich Partyanimals. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Spaß gehabt. Karneval kann da wirklich gerade so mithalten. Also lag ich dann heute morgen gegen halb 5 glücklich und zufrieden in meiner Heia, nachdem ich meinen Weg nach Hause auf dem Fahrrad an der Maas entlang bestritten habe. Die entsprechenden Fotos gibt es alle in meinem Picasa-Album.
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