Graue Wolken über deutschem Land… Sicherlich können wir es heutzutage kaum noch hören; die Klagerei, die Rezession, die Wirtschaftskrise, die Arbeitslosigkeit, kein Geld mehr in der Tasche, wohin sind die fetten Jahre ? Unzufriedenheit unter den Geschäftsleuten, aber dennoch möchte niemand auf seinen hartverdienten Mercedes GL vor der Türe verzichten und jeder muss sicherlich auch mindestens zwei Mobiltelefone besitzen und ohne Haus mit Garage und Terasse gibt man sich auch nicht mehr zufrieden. Wo sind wir gelandet mit unserem westeuropäischen Luxus, mit unserem Größenwahn?
Die Finanzwelt bricht zusammen und jeder stopft sich doch noch im Vorbeigehen die Taschen voll – schließlich hat man über die letzten Jahr immer hart gearbeitet, keine Zeit für die Familie gehabt, ist im Jet-Set zu Hause gewesen – viel Glück hat man dabei selbst zerstört oder hat es sich durch den ewigen Macht-Mechanismus zerstören lassen. Ist es das alles wert ? Fragen wir lieber so: Ist es wirklich so schlimm?
Niemand möchte abstreiten, wir sehr es am Rande unserer Gesellschaft aussieht, wie viele Menschen auf soziale Unterstützung angewiesen sind und sich wirklich am Existenzminimum von Monat zu Monat hangeln. Doch können wir nicht auch froh sein, dass wir wenigstens eine Absicherung durch unseren Staat garantiert haben. Könnte es nicht viel schlimmer sein? Die Agenda 2010 Reformen haben weh getan, das ist in aller Munde. Jedoch versprach auch niemand, dass sie nicht weh tun würden. Nichts bleibt ohne Nebenwirkungen; vor allem geschieht nichts von heute auf morgen, erst recht nicht in solch tiefgreifenden sozialen und volkswirtschaftlichen Fragen. Niemand möchte allerding Schröders Erbe anerkennen. Hartz IV und die Agenda sind zu No-Gos, zu schwarzen Wörtern geworden, obwohl sie solch eine Degradierung sicherlich nicht verdienen.
Ich möchte gar nicht abstreiten, dass es in diversen Einzelfällen (die ich auch selbst im Freundes- und Bekanntenkreis miterlebt habe) seltsame Entscheidungen gab und man sicherlich auch nicht immer alles nachvollziehen kann. Individuelle Ungerechtigkeit ist bei einem Staat von gut 82 Millionen Bundesbürgern nicht auszuschließen. Aber genau hier liegt der Hase im Pfeffer:
Sind wir uns noch bewusst, dass wir ein Staat sind, eine Gemeinschaft? Ist es nicht mehr, als dieses seltsame rote Büchlein mit der Aufschrift „REISEPASS“ zu besitzen, mehr als bei jedem Formular bloß als Nationalität „deutsch“ einzutragen, mehr als alle zwei Jahre bei jedem neuen Fußballereignis unser Land mit schwarz-rot-goldenen Farben zu bedecken, die danach sowohl offensichtlich, als auch in unseren Köpfen wieder verschwinden? Sind wir uns noch bewusst, dass der Staat nur aus uns allen bestehen kann, nur wir können den Staat zu dem machen, was er ist.
Jetzt kommt sicherlich wieder der eine oder andere Einwand: „Ja, sicherlich, da träumt wieder einer von der schönen Demokratie, von der Theorie – hachja, ein Student, der meint, Sokrates, Rousseau und Gandhi treffen sich jede Woche zum philosophisch-politischen Kaffeeklatsch auf der roten Wolke, dicht an Petrus‘ Himmelstür…“ Nein, sicherlich nicht. Auch ich bin mir bewusst, dass Politik mittlerweile – und sicherlich auch nicht nur in Berlin – zu einem dreckigen Geschäft geworden ist, dass häufig Ziel, Mission und Auftrag des Volkes absolut aus den Augen verliert. „Die Politiker machen doch eh was sie wollen…“ Klar, wie soll man auch etwas anderes erwarten?
Über Jahre, als alles toll war, in unserem gemütlichen, westeuropäischen Staat, dem Exportweltmeister, dem Vorreiter in Industrie, Forschung und Innovation, beschwerte sich niemand. Warum auch? Jedoch fragte auch niemand mehr nach, als sich der Saumagenschleier aus Oggersheim über die mittlerweile 16 Bundesländer ausbreitete, als Blüm noch versprach, dass wir uns doch bloß nicht um die Rente sorgen sollen, die gleichzeitig in Bündeln anscheinend unseren Mitmenschen in den neuen Bundesländer zukommen ließ, wobei die Investitionen wohl eher in gläserne Großstadtpaläste und sanfte Autobahnen flossen, während die Verkehrsinfrastruktur des Westens heute eher dem Wilden Westen der USA um 1850 ähnelt und sich in eine riesige Baustelle wandelt.
Es interessierte auch niemand. Bis zu dem Punkt, als plötzlich mal wieder jemand an der Spitze unseres Staates stand, der versuchte, den Trümmerhaufen zu ordnen, das Chaos zu beheben. Jemand, der auch unangenehme Dinge aussprach und anpackte, wo es galt, anzupacken. Erstaunlich, dass sich der Lauf der politischen Geschichte im Nachkriegsdeutschland anscheinend einem Kreis gleicht.
Wenn es allerdings eng wird, wenn jeder ran muss, wenn man dafür, dass es uns auch weiterhin gut geht und unser Wohlstand nicht bloß auf Pump finanziert wird, dann beginnen gerade die, denen sonst der Politikteil einschlägiger Polemikblätter vollkommen gegenstandslos erschien und man schnell zum Sportteil vorblätterte, diesen aufzubauschen und sich zu melden. Zum Teil mit Recht, zum Teil vollkommen unbegründet. Ich möchte hier niemanden ankreiden, der seinen Mund aufmacht, sicherlich nicht, genau das rufe ich doch hier geradezu herbei. Wir brauchen wieder Menschen, die mitdenken, die mit uns überlegen, die mitmachen. Wir brauchen keine Weltverbesserer mit großen Reden und hohlen Phrasen, nein, wir brauchen Menschen an der Basis, das Volk. Wir brauchen ein Bewusstsein, dass „Deutscher“ sein nichts mehr mit den Sünden und Schanden unserer Vergangenheit zu tun hat. (Ich denke, ich muss hier nicht explizit erwähnen, dass ich jene Vorfälle sicherlich nicht in irgendeiner Weise abtun und verharmlosen möchte, sondern vielmehr zu einem Fortleben mit dem Bewusstsein, der Verantwortung und der Lehre aus dieser Vergangenheit ermuntere.)
Steh auf, wenn du Deutscher bist. Egal, ob rot oder grün, ob schwarz oder liberal. Der entscheidende Punkt ist, dass wir wieder begreifen, dass wir unseren Politikern den Auftrag erteilen. Sie sind bloß Repräsentanten unserer Bevölkerung, gewählt durch das deutsche Volk. Wenn man ihnen jedoch keinen Auftrag erteilt, dann tun dies schnell Lobbyisten und andere aufmerksame Zeitgenossen. Nehmt es wahr, entdeckt, wir man nur gemeinsam etwas bewegen kann. Wir sind nicht nur der zwölfte Mann auf dem Platz im Parlament, nein, wir sind Trainer, Mannschaft, Publikum und Gegner zugleich. Lasst euch begeistern von Visionären, aber verfallt nicht dem Wahn. Schaut euch ein wandelndes Amerika an, einen Barack Obama, der allein durch sein Auftreten das ganze Land verändern kann, der die Sünden einen GWB ausmerzen kann, der auch ein Vorreiter für die Politik auf dem ganzen Globus darstellen kann. Warum stellen wir uns hinten an? Warum machen wir nicht mit? Wo ist der Exportweltmeister, wo sind die Innovationen, die Technik, die Erfahrung und die Spezialisten. Es ist wie beim Fußball, starke Verteidigung, und plötzlich kommt Lahm über links, Abschluss, Tor. Warum nicht auch im wahren Leben?
Beteiligt euch, geht wählen, stellt Fragen, diskutiert. Politik beginnt schon bevor wir die Haustüre verlassen. Teilt euren Kindern mit, dass nicht alles umsonst ist, sprecht kritisch, aber realistisch und fair über eure Sorgen und Aussichten. Mit dem Nachbarn, mit dem Kollegen, an der Theke. Wofür haben unsere Abgeordnete Bürgerbüros, wofür sitzen die Nasen eigentlich dort, - in Berlin, in Mainz, in Neuwied und auch in Linz? Für uns…es wird höchste Zeit!
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen